Ratgeber
Pubertät: Was Eltern wissen sollten und wie ihr im Gespräch bleibt
In der Pubertät lösen sich Kinder Schritt für Schritt von den Eltern, Streit wird seltener, aber oft heftiger. Was Eltern wissen, erfahren sie vor allem dadurch, dass Jugendliche von sich aus erzählen; das gelingt eher mit Respekt, erklärten Regeln und wenig Druck. Hält Rückzug oder gedrückte Stimmung über Wochen an, sind Kinder- und Jugendpsychotherapie und Erziehungsberatung gute Anlaufstellen.
Viele Eltern erleben die Pubertät ihres Kindes als Zeit, in der die Tür zum Kinderzimmer öfter zu ist und Gespräche kürzer werden. Für das Kind ist es eine Zeit, in der Körper, Gehirn und Freundschaften sich stark verändern. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) beschreibt die Aufgabe für beide Seiten so: Kinder müssen sich von ihren Eltern lösen und Eltern von ihren Kindern, und das gelingt am besten, wenn sie dabei den Kontakt nicht verlieren [1]. Hier liest du, was in der Pubertät typisch ist, was Studien zu Streit, Kontrolle und Vertrauen zeigen und wann du dir Hilfe holen solltest. Wie du die Beziehung zu deinem Kind gerade erlebst, kannst du mit dem Eltern-Kind-Beziehung Check durchgehen.
Was in der Pubertät passiert
Die Pubertät beginnt laut BIÖG meist zwischen 10 und 14 Jahren, bei jedem Kind zu einem anderen Zeitpunkt [1]. Der Elternratgeber der Bundespsychotherapeutenkammer nennt als ungefähren Beginn neun Jahre bei Mädchen und elf Jahre bei Jungen [7]. Das BIÖG unterscheidet drei Phasen, die die Tabelle zusammenfasst.

| Phase | Alter etwa | Was oft passiert | Beleg |
|---|---|---|---|
| Vorpubertät | Ab Ende der Grundschulzeit, etwa zwei bis drei Jahre lang | Familiäre Regeln werden infrage gestellt, Kinder wollen über Aussehen, Kleidung und Freizeit selbst bestimmen, ziehen sich öfter zurück und wünschen sich trotzdem Nähe. | [1] |
| Hochpubertät | Etwa 12 bis 16 Jahre | Körperliche und sexuelle Entwicklung, Suche nach der eigenen Identität, Diskussionen über Ausgehzeiten, Schule, Medien, Haushalt und Taschengeld. | [1] |
| Spätpubertät | Etwa ab 16 Jahren | In den meisten Familien entspannt sich die Lage, das Aushandeln ist weniger aufreibend, Meinungsverschiedenheiten bleiben möglich. | [1] |
| Streit über die Jahre (Metaanalyse) | Frühe bis späte Jugend | Streit wird mit dem Alter seltener, die Heftigkeit der Gefühle im Streit nimmt von der frühen zur mittleren Jugend zu. | [3] |
Auch das Gehirn baut in diesen Jahren um. Nach dem US-amerikanischen National Institute of Mental Health (NIMH) reift es bis Mitte oder Ende 20. Der Bereich hinter der Stirn, der für Planung und Abwägen zuständig ist, gehört zu den letzten, die ausreifen. Zugleich verändern sich Hirnregionen, die soziale Erfahrungen verarbeiten, und Gleichaltrige werden wichtiger. Zusammen kann das zu mehr Risikoverhalten führen, wobei Risiko auch heißen kann, sich in einem neuen Verein zu trauen [2]. Auch der Schlaf verschiebt sich: Das Schlafhormon Melatonin bleibt bei Jugendlichen abends länger hoch und sinkt morgens später ab. Das kann erklären, warum viele spät einschlafen, morgens schwer aus dem Bett kommen und zu wenig Schlaf bekommen [2].
Das NIMH weist außerdem darauf hin, dass Jugendliche auf Stress anders reagieren können als Erwachsene und dass sich Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und Essstörungen häufig erstmals in der Jugend zeigen. Ebenso betont es, dass die meisten Jugendlichen zu gesunden Erwachsenen werden und manche Veränderungen im Gehirn dieser Jahre die seelische Widerstandskraft langfristig stützen [2].
Streit gehört dazu
Die verbreitete Annahme, dass Streit in der Pubertät erst zunimmt und dann wieder abflaut, bestätigt eine Metaanalyse von Brett Laursen und Kollegen nur zum Teil. Über die Jugendjahre hinweg wurde Streit zwischen Eltern und Kindern seltener. Die Heftigkeit der Gefühle im Streit nahm aber von der frühen zur mittleren Jugend zu und stieg auch mit der körperlichen Reife [3]. Zur Heftigkeit der Gefühle lagen allerdings nur wenige Studien vor. Weniger, dafür hitzigere Auseinandersetzungen sind in diesen Jahren also möglich.
Das BIÖG rät Eltern, nach einer hitzigen Auseinandersetzung einen kühlen Kopf zu bewahren, auf das Kind zuzugehen und im Gespräch zu bleiben [1]. Für den Streit selbst nennt es einige Grundsätze: um konkrete Dinge streiten statt ums Prinzip, sachlich bleiben und eigene Gefühle klar benennen, etwa mit "Ich mache mir Sorgen um dich". Kritik soll sich auf die Sache richten und nicht auf die Person; "Du hältst dich nicht an unsere Abmachung" kränkt weniger als "Du bist faul". Überzogene Strafandrohungen bringen Eltern in Zugzwang. Besser ist es, Regeln gemeinsam zu entwickeln, die für alle gelten, weil Jugendliche, die sich bevormundet und ungerecht bestraft fühlen, sich eher verweigern [1]. Wenn alle sich die Köpfe heißgeredet haben, darf das Gespräch abgebrochen und später fortgesetzt werden [1].
Der Elternratgeber der Bundespsychotherapeutenkammer empfiehlt ebenfalls, eskalierende Gespräche zu beenden, sich für eigene Fehler zu entschuldigen und Kompromisse zu suchen [7]. Auch "Wir können über alles reden, aber nicht so" ist laut BIÖG ein hilfreicher Satz, wenn dein Kind sich im Ton vergreift [1].
Was Jugendliche erzählen und was Kontrolle bringt
Eltern von Jugendlichen fragen sich oft, wie viel sie wissen müssen und wie sie es erfahren. Eine schwedische Studie von Margaret Kerr und Håkan Stattin mit 1.186 Vierzehnjährigen und ihren Eltern hat das genauer untersucht. Jugendliche, über deren Alltag die Eltern viel wussten, ging es in vielen Bereichen besser. Dieses Wissen stammte aber vor allem daraus, dass die Jugendlichen von sich aus erzählten. Das Nachfragen und Überwachen der Eltern erklärte weniger. Fühlten sich Jugendliche kontrolliert, hing das mit schlechterem Befinden zusammen [4].
Eine Metaanalyse von 2026 mit 231 Studien zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 13 bis 25 Jahren weist in dieselbe Richtung. Erziehung, die stark in das Innenleben und die Eigenständigkeit eingreift, hing mit mehr Ängsten und Niedergeschlagenheit und mit mehr Aggression zusammen. Bei Ängsten und Niedergeschlagenheit war der Zusammenhang bei psychologischer Kontrolle, also Druck über Schuldgefühle oder Liebesentzug, stärker als bei Helikopter-Erziehung. Ursache und Wirkung lassen sich daraus nicht trennen [5].
Das passt zu dem, was das Gesetz von Eltern erwartet. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch berücksichtigen Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis ihres Kindes, selbstständig und verantwortungsbewusst zu handeln. Sie besprechen Fragen der Erziehung mit ihm, soweit sein Entwicklungsstand das zulässt, und streben Einvernehmen an [6].
Im Gespräch bleiben
"Nehmen Sie es nicht persönlich" nennt das BIÖG den wichtigsten und zugleich schwierigsten Grundsatz. Jugendliche suchen mal die Nähe der Eltern und lehnen ein anderes Mal jedes freundliche Gesprächsangebot ab. Manchmal reicht es abzuwarten, bis dein Kind von sich aus kommt. Trotzdem ist es richtig, immer wieder selbst Interesse zu zeigen. Söhne wünschen sich laut der Studie Jugendsexualität 2019 von ihren Vätern, dass diese häufiger auf sie zugehen [1].
Wenn Reden schwierig ist, können gemeinsame Unternehmungen den Kontakt halten, besonders wenn dein Kind mitplanen darf. Das BIÖG nennt gemeinsame Rituale wie einen Spaziergang oder das Kochen als Gelegenheit, über persönliche Dinge zu reden [1]. Wichtig ist auch, wie du reagierst, wenn etwas schiefgegangen ist. Ein "Das habe ich dir doch gleich gesagt" hilft nicht weiter. Dein Kind soll wissen, dass es auch dann zu dir kommen kann, wenn es gegen eine Regel verstoßen hat oder etwas Belastendes erlebt hat [1]. Wie Jugendliche selbst das Gespräch mit ihren Eltern suchen können, steht auf der Jugendseite im Ratgeber Mit den Eltern über Probleme reden.
Privatsphäre, Handy und Regeln
Mit der Pubertät wächst der Wunsch nach Privatsphäre. Viele Jugendliche möchten sich in der Familie nicht mehr nackt zeigen und nicht, dass die Eltern unaufgefordert ins Zimmer kommen. Das BIÖG rät, das zu respektieren, vor dem Betreten anzuklopfen und auf ein "Ja" zu warten und für das Badezimmer gemeinsam Regeln zu finden [1].

Beim Smartphone empfiehlt das BIÖG, regelmäßig mit dem Kind darüber zu sprechen, was es damit macht, und gemeinsam feste Regeln für Fernsehen, Internet und Handy zu vereinbaren, auch zu Dauer und Inhalten. Handyfreie Zeiten beim Essen, bei Gesprächen oder an einem Abend in der Woche können guttun, wenn sich alle daran halten, Eltern eingeschlossen [1]. Das Smartphone hilft Jugendlichen auch, sich von den Eltern abzugrenzen und eigene Erfahrungsräume zu erobern; das gehört zum Eigenständigwerden [1]. Wie viel Zeit am Bildschirm für Jugendliche okay ist, erklärt die Jugendseite im Ratgeber Wie viel Bildschirmzeit ist okay?, den du auch gemeinsam mit deinem Kind lesen kannst.
Wann du dir Hilfe holen solltest
Phasen gedrückter Stimmung und Rückzug gehören laut Bundespsychotherapeutenkammer zur Jugend, solange sie wieder abklingen [7]. Warnzeichen sind dagegen, wenn sich dein Kind von Freundinnen und Freunden zurückzieht und Schule und Hobbys vernachlässigt, über Kopf- oder Bauchschmerzen klagt, schlecht schläft und keinen Appetit hat. Auch starke Angst vor einer Gewichtszunahme, Erbrechen, Selbstverletzungen, häufiges Rauschtrinken und eine Computerspiel- oder Internetabhängigkeit gehören dazu [7]. Hält eine gedrückte Stimmung an, verliert dein Kind stark an Gewicht oder verletzt es sich wiederholt, nennt der Ratgeber Beratung und psychotherapeutische Behandlung als Wege. Eltern können sich dabei zuerst selbst beraten lassen [7].
Anlaufstellen sind die kinder- und jugendärztliche oder die hausärztliche Praxis und die Sprechstunden von Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten [8]. Gesetzlich versicherte Jugendliche können ab 15 Jahren selbst einen Termin machen [7]. Erziehungs- und Familienberatungsstellen beraten Eltern und Jugendliche [8]. Die Beratung ist kostenfrei und streng vertraulich [11]. Wie das abläuft, beschreibt der Ratgeber Erziehungs- und Familienberatung. Jugendliche von 14 bis 21 Jahren finden kostenfreie Onlineberatung bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, Eltern ebenfalls [9]. Für ein Gespräch am Telefon gibt es das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer [10].
Weitere geprüfte Nummern, darunter das Kinder- und Jugendtelefon, findest du auf der Seite Hilfe finden. Wie du die Beziehung zu deinem Kind über die Jahre stärken kannst, steht im Ratgeber Eltern-Kind-Beziehung stärken.
- Behörde Gemeinsam durch die Pubertät. Ein Ratgeber für Eltern zur Sexualentwicklung im Jugendalter. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand 2025. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde The Teen Brain: 7 Things to Know. National Institute of Mental Health (NIMH). Stand 2023. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Reconsidering changes in parent-child conflict across adolescence: a meta-analysis. Child Development 69(3):817 bis 832. Laursen B, Coy KC, Collins WA. Stand 1998. abgerufen am 28.10.2026
- Studie What parents know, how they know it, and several forms of adolescent adjustment: further support for a reinterpretation of monitoring. Developmental Psychology 36(3):366 bis 380. Kerr M, Stattin H. Stand 2000. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Intrusive Parenting and Adolescent Internalizing and Externalizing Symptoms: Three-level Meta-analytic Reviews Considering Parenting Concepts and Methodology. Clinical Child and Family Psychology Review 29(1):105 bis 127. Ryan KM, Zimmer-Gembeck MJ, Hawes T, Kovacs T, Leahy N. Stand 09.01.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 1626 Elterliche Sorge, Grundsätze. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Elternratgeber Psychotherapie: Jugendalter, wer bin ich?. Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Jugend: Psychische Beschwerden erkennen. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 23.04.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft bke-Onlineberatung für Eltern und Jugendliche. Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e. V. (bke). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Elterntelefon. Nummer gegen Kummer e. V.. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft Erziehungs- und Familienberatung (Startseite). Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e. V. (bke). Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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